Die zehn häufigsten Fehler beim Ankern

Zu wenig Kette, falscher Grund, Anker nicht eingefahren, die Winsch hält das Boot: die zehn Fehler, die Anker am häufigsten slippen lassen – und wie Sie jeden vermeiden.

Segelboote, Katamarane und ein Motorboot liegen mit Abstand zueinander in einer türkisfarbenen Bucht, von oben gesehen.
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Die kurze Antwort

Die meisten Anker slippen nicht, weil der Anker schlecht ist, sondern weil beim Manöver etwas schiefgeht: zu wenig Kette, der falsche Grund, ein Anker, der nie richtig eingegraben wurde. Die zehn Fehler unten sind die, die in jeder Bucht immer wieder passieren. Jeder einzelne lässt sich mit wenig Aufwand vermeiden.

1. Die Kette nach der Wassertiefe bemessen

„Dreimal die Tiefe“ klingt nach einer Regel, rechnet aber falsch. Die Kette beginnt nicht an der Wasseroberfläche, sondern an der Bugrolle – und wo es Tide gibt, zählt die Tiefe bei Hochwasser, nicht die beim Ankern. Wer auf 4 m Tiefe mit einer Bugrolle 1,5 m über dem Wasser das Fünffache der Tiefe steckt, liegt in Wirklichkeit nur bei 3,6 : 1.

Besser: (Wassertiefe + Tidenanstieg + Höhe der Bugrolle) × Verhältnis. Wie viel das in Metern ist, rechnet Wie viel Ankerkette bei welcher Wassertiefe? für Sie aus.

2. Das Verhältnis nach dem Wetter beim Ankern wählen

Beim Ankern am Nachmittag ist es oft ruhig. Entscheidend ist aber, was in der Nacht kommt: eine Winddrehung, Fallböen von den Bergen, ein Gewitter. Wer für die Ruhe ankert, liegt für den Sturm zu kurz.

Besser: Den Wetterbericht für die ganze Liegezeit lesen und danach das Verhältnis wählen – für die Nacht mit reiner Kette mindestens 5 : 1, bei angesagtem Starkwind 7 : 1.

3. Nicht wissen, wie viel Kette draußen ist

Die beste Rechnung nützt nichts, wenn am Bug niemand weiß, ob 40 oder 55 m gelaufen sind. Geschätzt wird nach dem Geräusch der Winsch, nach gezählten Sekunden oder nach Markierungen, die längst abgewetzt sind. Fast immer liegt die Schätzung zu hoch – es ist weniger Kette draußen, als man glaubt.

Besser: Die Kette alle 10 m markieren, mit einer Methode, die man auch nachts erkennt – welche Methoden halten, vergleicht Ankerkette markieren: sechs Methoden im Vergleich. Noch genauer ist eine Anzeige, die die Meter direkt an der Winsch zeigt; dafür entwickeln wir AnkerSepp, siehe Kettenzähler ohne Einbau.

4. Den Grund nicht ansehen

Sand und fester Schlick halten gut. Seegras, besonders Posidonia im Mittelmeer, hält schlecht: Der Anker gleitet auf dem dichten Teppich, statt sich einzugraben. Fels hält entweder gar nicht oder so gut, dass der Anker nicht mehr hochkommt. Dazu kommt: Posidonia-Wiesen sind die Kinderstube zahlreicher Fischarten und stehen deshalb in vielen Ländern unter Schutz – Ankern darauf ist dort verboten.

Besser: In der Seekarte und im Hafenhandbuch nachsehen, was am Grund liegt, und vor dem Fallenlassen hinunterschauen. Ein heller Sandfleck zwischen dunklem Seegras ist die richtige Stelle.

5. Den Schwojkreis vergessen

Ein Boot vor Anker liegt nicht an einem Punkt, es dreht sich um den Anker. Der Radius ist so groß wie die gestreckte Kette plus die Bootslänge – bei 50 m Kette und 12 m Boot über 60 m. Wer zu nah an einen Nachbarn, ein Riff oder das Ufer ankert, merkt das erst, wenn der Wind nachts dreht.

Besser: Den eigenen Schwojkreis abschätzen und so ankern, dass er frei bleibt. Auf die Nachbarn achten: Ein Motorboot an Leine schwojt anders als ein Segelboot an Kette. Wer zuerst da war, hat Vorrang.

6. Die Kette auf einen Haufen werfen

Wird die Kette in einem Rutsch fallen gelassen, während das Boot steht, landet sie als Haufen auf dem Anker. Der Anker kann sich nicht ausrichten, die Kette verheddert sich womöglich um den Schaft, und beim ersten Zug bricht er wieder aus.

Besser: Den Anker fallen lassen, wenn das Boot gerade zum Stillstand kommt, und die Kette dann gleichmäßig stecken, während das Boot langsam achteraus treibt oder fährt. So legt sie sich gestreckt auf den Grund.

7. Den Anker nicht einfahren

Ein Anker, der nur auf dem Grund liegt, hält nicht. Er muss sich eingraben – und das geschieht erst unter Zug.

Besser: Wenn die Kette draußen ist, mit langsamer, dann zunehmender Rückwärtsfahrt Zug aufbauen. Zwei Peilmarken an Land suchen, die hintereinander liegen: Verschieben sie sich nicht gegeneinander, hält der Anker. Rucken die Kette oder die Peilung, ist der Anker nicht fest – dann neu ankern, nicht hoffen.

8. Die Winsch das Boot halten lassen

Die Ankerwinsch ist zum Heben gebaut, nicht zum Halten. Hängt das Boot über Nacht an der Kettennuss, landen alle Stöße aus Böen und Schwell auf Getriebe, Lagern und Deck.

Besser: Die Last von der Winsch nehmen – mit einem Kettenstopper oder einer Anker- oder Kettenkralle: einem Haken, der in die Kette greift, an einer elastischen Leine, die auf einer Klampe belegt wird. Sie nimmt der Winsch die Last und dämpft die Rucke, die eine straffe Kette sonst ungedämpft an den Anker gibt.

9. Bug und Steuer verständigen sich nicht

Am Bug läuft die Winsch, am Steuer läuft der Motor, und dazwischen liegen zehn Meter, Wind und Motorlärm. Gerufene Kommandos kommen halb an, und wer am Steuer nicht weiß, wie viel Kette draußen ist, fährt zu früh oder zu spät rückwärts.

Besser: Vor dem Manöver Handzeichen absprechen: Anker fällt, Kette stecken, stopp, rückwärts, Anker hält. Und die gesteckte Länge mit den Fingern anzeigen – oder dort ablesen, wo die Kette läuft.

10. Keine Kontrolle über die Nacht

Ein Anker, der um sechs Uhr abends hält, hält nicht zwingend um drei Uhr nachts. Winddrehungen und Tide ändern die Zugrichtung, und ein Anker, der sich einmal löst, gräbt sich selten von selbst wieder ein.

Besser: Nach dem Ankern Peilungen notieren und den Ankeralarm im Plotter oder in einer App setzen. Bei Starkwind eine Ankerwache einteilen. Und das Kettenende im Ankerkasten mit einer Leine sichern, die man im Notfall durchschneiden kann – damit die Kette beim Slippen nicht über Bord geht.

Zum Mitnehmen

Fehler Besser
Kette nach der Wassertiefe Tiefe + Tide + Bugrolle, dann × Verhältnis
Verhältnis nach dem Wetter beim Ankern nach dem Wetterbericht für die Nacht
Kettenlänge geschätzt markieren oder ablesen
Grund nicht angesehen Seekarte prüfen, Sandfleck suchen
Schwojkreis vergessen gestreckte Kette + Bootslänge frei halten
Kette auf einem Haufen gleichmäßig stecken, während das Boot achteraus treibt
Anker nicht eingefahren rückwärts Zug aufbauen, Peilung prüfen
Winsch hält das Boot Kettenstopper oder Kettenkralle
Kommandos gerufen Handzeichen absprechen
Nacht ohne Kontrolle Ankeralarm, Peilungen, Ankerwache

Keiner dieser Fehler hat mit teurer Ausrüstung zu tun. Sie entstehen in den paar Minuten des Manövers – und dort lassen sie sich auch vermeiden.