Ankerkette markieren: sechs Methoden im Vergleich
Farbe, Kettenmarker, Kabelbinder, Bändsel, Klebeband oder Kettenzähler: was an der Ankerkette hält, was man nachts noch erkennt – und welches Schema sich bewährt.
Die kurze Antwort
Markieren Sie die Kette alle 10 Meter, gemessen vom Anker aus, und nehmen Sie zwei Methoden zugleich: eine, die man bei Tag vom Bug aus sieht – Farbe oder farbige Kettenmarker –, und eine, die man nachts mit der Hand ertasten kann, etwa Bändsel aus Garn.
Als Schema hat sich ein Zählcode bewährt: eine Marke bei 10 m, zwei bei 20 m, drei bei 30 m, vier bei 40 m und bei 50 m eine lange. Er kommt ohne Legende aus, funktioniert mit einer einzigen Farbe und im Dunkeln.
Keine Markierung hält ewig. Prüfen Sie sie jede Saison, und rechnen Sie damit, einen Teil zu erneuern.
Wozu die Markierung?
Die Faustregel für die Kettenlänge – das Fünffache der Höhe von der Bugrolle bis zum Grund, mehr dazu in Wie viel Ankerkette bei welcher Wassertiefe? – nützt nur, wenn man weiß, wie viel gerade draußen ist. Ohne Markierung bleibt nur Schätzen: nach Gefühl, nach den Sekunden, die die Winsch läuft, nach dem Haufen, der im Kettenkasten noch liegt. Wie weit man damit danebenliegt, merkt man meist erst, wenn der Anker nicht hält.
Das Schema: Farbcode oder Zählcode
Beim Farbcode bekommt jede Zehnermarke ihre eigene Farbe, zum Beispiel Rot bei 10 m, Gelb bei 20 m, Grün bei 30 m, Blau bei 40 m und Weiß bei 50 m. Ab 60 m beginnen die Farben von vorn, doppelt gesetzt. Wer das Schema kennt, liest die Länge auf einen Blick ab. Wer es nicht kennt – die Crew, Gäste, Sie selbst nach einem Winter –, braucht eine Legende, am besten als laminierter Zettel am Ankerkasten. Dazu kommt: In der Dämmerung sehen sich Rot und Braun, Blau und Grün zum Verwechseln ähnlich, und rund jeder zwölfte Mann hat eine Rot-Grün-Sehschwäche.
Beim Zählcode zählt die Anzahl der Marken: eine bei 10 m, zwei bei 20 m, drei bei 30 m, vier bei 40 m. Bei 50 m sitzt eine lange Marke über mehrere Glieder – das Prinzip der römischen Fünf –, bei 60 m eine lange und eine einzelne, bei 70 m eine lange und zwei. Der Zählcode braucht keine Legende und nur eine Farbe, und er lässt sich ertasten. Darum empfehlen wir ihn, gern zusätzlich farbig.
Zwei Details machen jedes Schema besser:
- Messen Sie vom Anker aus, ab dem Schäkel am Ankerschaft. Die 10-m-Marke sitzt 10 m hinter dem Anker. Läuft sie über die Bugrolle, liegen 10 m Kette zwischen Bugrolle und Anker – genau die Länge, mit der die Faustregel rechnet.
- Messen Sie mit dem Maßband, wenn die Kette ohnehin ganz draußen ist: auf dem Steg ausgelegt, im Winterlager oder nach dem Neukauf. Glieder zählen funktioniert nur, wenn Sie die Teilung Ihrer Kette kennen; sie steht im Datenblatt des Herstellers.
Wer häufig in flachen Buchten ankert, kann bei 5 und 15 m zusätzlich eine kleine Marke in einer zweiten Farbe setzen. Mehr sollte es nicht werden: Ein Schema, das man erst entziffern muss, liest beim Ankermanöver niemand.
Die sechs Methoden
1. Farbe
Lack oder Sprühfarbe über mehrere Glieder hintereinander, drei bis fünf Glieder pro Marke. Die Kette vorher reinigen, entfetten und trocknen lassen; auf verzinktem Stahl hält ein Haftgrund für Zink deutlich besser als Farbe allein. Mehrere dünne Schichten halten länger als eine dicke.
Farbe ist günstig und bei Tag gut zu sehen, auch während die Kette läuft. Ihr Nachteil: Kettennuss, Bugrolle und Grund reiben sie ab, oft schon im Lauf einer Saison. Abgeplatzte Farbe landet im Kettenkasten, und nachts sieht man sie kaum und ertastet sie gar nicht.
2. Kettenmarker aus Kunststoff
Farbige Einsätze aus Kunststoff oder Gummi, die in die Öffnung eines Kettenglieds gedrückt werden. Es gibt sie passend zur Kettenstärke, etwa für 6, 8, 10 oder 12 mm, meist in Sätzen mit mehreren Farben.
Sie sind schnell gesetzt, behalten ihre Farbe und lassen sich ein wenig ertasten. Die Größe muss aber stimmen: Ein zu großer Marker klemmt in der Kettennuss, ein zu kleiner fällt heraus. Und auch ein passender kann sich mit der Zeit lösen. Prüfen Sie nach dem Setzen, ob jeder Marker sauber durch die Kettennuss läuft – langsam, die Hände weg von Nuss und Kette.
3. Kabelbinder
Farbige Kabelbinder werden durch ein Glied gezogen, festgezogen und bündig abgeschnitten. Im Zählcode entspricht ein Kabelbinder einer Marke.
Kabelbinder gibt es überall, sie kosten fast nichts, und man ertastet sie zuverlässig. Dafür macht UV-Licht sie spröde; schwarze, UV-beständige Binder halten länger als farbige. Die Schnittkanten sind scharf genug, um Hände aufzureißen – schneiden Sie bündig ab und drehen Sie das Schloss nach innen. Ein abstehendes Ende kann sich in der Kettennuss verhaken.
4. Bändsel aus Garn oder dünner Leine
Takelgarn oder eine dünne Leine von 2 bis 3 mm, mehrfach durch ein Glied gewickelt und fest verknotet; Kunstfaser hält länger als Naturfaser. Im Zählcode steht ein Bändsel für eine Marke, für die lange Marke umwickeln Sie mehrere Glieder hintereinander.
Bändsel sind weich zur Hand, lassen sich nachts sicher ertasten und lösen sich selten. Ihr Nachteil ist der Aufwand beim Anbringen, und mit der Zeit nehmen sie Schlick auf und bleichen aus, so dass die Farbe bei Tag kaum noch hilft. Als zweite, ertastbare Markierung neben Farbe oder Kettenmarkern sind sie ideal.
5. Klebeband
Farbiges Isolierband oder Tape, um mehrere Glieder gewickelt. Schnell gemacht und am ersten Tag gut sichtbar.
Auf nasser, rauer, verzinkter Kette hält Klebeband aber schlecht: Es schiebt sich zusammen, rutscht ab und hinterlässt Kleberreste. Als Notlösung für eine Woche, etwa auf einer Charteryacht ohne Markierung, ist es brauchbar, auf Dauer nicht.
6. Fest eingebauter Kettenzähler
Ein Sensor an der Ankerwinsch zählt die Umdrehungen der Kettennuss, meist über einen Magneten, und eine Anzeige am Steuerstand oder in der Fernbedienung rechnet sie in Meter um. Winschenhersteller und Zubehöranbieter bieten solche Zähler an.
Ein Kettenzähler ist genau, auch nachts, und er zeigt die Länge dort, wo gesteuert wird – niemand muss am Bug die Kette beobachten. Dafür ist er ein Einbau: Sensor montieren, oft bohren, ein Kabel durchs Boot ziehen, Anzeige einbauen und auf die Kette kalibrieren. Mit Einbau kommen meist einige hundert Euro zusammen, und er muss zur vorhandenen Winsch passen. Außerdem zählt er Umdrehungen, nicht Kette: Ist die Kalibrierung falsch oder rutscht die Kette über eine verschlissene Nuss, zeigt er falsch an. Auf Charteryachten ist er selten eingebaut. Wie es ohne Einbau geht, zeigt Kettenzähler ohne Einbau.
Der Vergleich auf einen Blick
| Methode | Kosten | Haltbarkeit | Bei Tag | Bei Nacht | Aufwand |
|---|---|---|---|---|---|
| Farbe | gering | eine Saison, oft weniger | gut sichtbar | nicht erkennbar | mittel |
| Kettenmarker | gering | mehrere Saisons, wenn sie passen | gut sichtbar | etwas ertastbar | gering |
| Kabelbinder | sehr gering | etwa eine Saison | mäßig | gut ertastbar | gering |
| Bändsel | gering | mehrere Saisons | bleicht aus | gut ertastbar | hoch |
| Klebeband | sehr gering | Wochen | anfangs gut | kaum ertastbar | gering |
| Kettenzähler | einige hundert Euro | Jahre | auf dem Display | auf dem Display | Einbau |
Die Haltbarkeit sind Erfahrungswerte. Sie hängt stark davon ab, wie oft geankert wird, auf welchem Grund und durch welche Kettennuss die Kette läuft.
Was wir empfehlen
- Auf dem eigenen Boot: Kettenmarker oder Farbe für den Blick bei Tag, daneben Bändsel im selben Zählcode für die Hand bei Nacht. Zwei Methoden fallen selten gleichzeitig aus.
- Auf der Charteryacht: Fragen Sie bei der Übernahme, ob die Kette markiert ist, nach welchem Schema und wie lang sie insgesamt ist. Ist sie nicht markiert, setzen Sie nach Rücksprache mit dem Vercharterer Kabelbinder im Zählcode und nehmen sie bei der Rückgabe wieder ab.
- Mit Kettenzähler: trotzdem markieren. Fällt der Zähler aus oder verliert er nach einem Spannungsabfall den Nullpunkt, bleibt die Markierung.
Das Ende der Kette
Markieren Sie die letzten 5 m auffällig, zum Beispiel durchgehend rot. Wer diese Marke über die Bugrolle laufen sieht, weiß: Mehr ist nicht da.
Das Ende selbst gehört nicht mit einem Schäkel an den Boden des Kettenkastens, sondern mit einer Leine befestigt, die bis an Deck reicht. Muss der Anker in einer Notlage aufgegeben werden, lässt sie sich kappen; vorher bindet man, wenn es irgend geht, eine Boje an die Kette, um sie später wiederzufinden.
Markierungen halten nicht ewig
- Prüfen Sie die Marken jede Saison, am besten wenn die Kette im Winterlager oder beim Kranen ohnehin ganz draußen liegt.
- Wenden Sie die Kette, verlegen Sie die Marken. Viele Eigner tauschen nach einigen Jahren die Enden, weil das Stück nahe am Anker am meisten verschleißt. Da vom Anker aus gemessen wird, stimmt danach keine Marke mehr. Planen Sie das Neumarkieren deshalb für denselben Tag.
- Nach dem Neuverzinken ist jede Farbe ab und jeder Marker heraus. Dann beginnt das Schema von vorn.
Und dazwischen?
Auch die beste Markierung sagt nur, was gerade über die Bugrolle läuft, wenn eine Marke vorbeikommt. Zwischen zwei Marken wird wieder geschätzt, und am Bug muss jemand stehen und hinsehen – nachts mit der Stirnlampe, bei Seegang mit einer Hand am Boot.
Für genau diese Lücke entwickeln wir AnkerSepp: ein Gerät, das auf die vorhandene Ankerwinsch aufgesteckt wird und die ausgelegte Kette laufend in Metern anzeigt, ohne Einbau und ohne Kabel. Es ist noch ein Prototyp. Und auch mit ihm raten wir dazu, die Kette zu markieren – eine zweite Methode, die nicht ausfällt, ist an Bord nie verkehrt.